Radverkehr in Südafrika - Artikel im Internationalen Verkehrswesen Dezember 2010

Als Literaturhinweis empfehlen wir das internationale Verkehrswesen vom Dezember 2010, in dem auf Grundlage der Diplomarbeit von Frau Eva Bechstein und unter redaktioneller Mitarbeit von Frank Fiedler ein Artikel über die aktuelle Situation armer Pendler in Townships von Tshwane/ Pretoria publiziert wurde. Ein Link ist leider nicht verfügbar. Wir senden aber gern noch ein Exemplar des Artikels zu, solange unser Vorrat an Belegexemplaren reicht.  

IVAS betreut Diplomarbeit zu „non-motorized traffic“ in Südafrika

Vor dem Hintergrund der Zusammenarbeit mit dem IVAS-Partnerbüro ‘ITS Engineers’ in Pretoria/Thswane in Südafrika stand 2009/ 2010 die Betreuung der Diplomarbeit von der TUD-Geographie-Studentin Eva Bechstein durch IVAS. Bereits während ihres 6-monatigen Praktikums in Südafrika hat sie erste wertvolle Erfahrungen und Ansätze im Bereich der Verkehrsplanung unter einer anderen politischen und gesellschaftlichen Situation sammeln können. Diese Erkenntnisse sollten nun eine gute Grundlage für eine umfassende Forschungstätigkeit bilden, an deren Ende eine Diplomarbeit steht. Von lokaler südafrikanischer Seite wird die Betreuung ebenfalls von ITS sowie dem CSIR (Council for Scientific and Industrial Research) unterstützt.  

Das Forschungsthema gliedert sich gut in ihre Studienspezialisierung Verkehrsplanung ein. Die Diplomarbeit beschäftigte sich mit der Problematik des nicht-motorisierten Transports in Südafrika. Im Detail umfasst dies die Fortbewegung durch Fahrradfahren und Laufen. Es wird der Frage nachgegangen, welche Rolle der nicht-motorisierte Transport (NMT) bei der Reduzierung von Verkehrskosten spielt (Role of Non-Motorised Transport in reducing transportation costs in urban regions of South Africa). Insbesondere sozial und ökonomisch benachteiligte Haushalte stehen vor der Herausforderung, ihren täglichen Transport zu finanzieren. In Form von qualitativen und quantitativen Interviews wurden im nahgelegenen Township Mamelodi die Barrieren und das Potenzial von NMT aufgezeigt werden. Bei Interesse kann die Diplomarbeit bei IVAS angefordert werden (Sprache Englisch). Sie ist eines der wenigen Projekte, die sich aus Sicht der Mobilität mit dem Thema "Radverkehr in Südafrika" umfassend beschäftigt hat. Frau Bechstein ist derzeit wieder in Südafrika.  


Die "Tshwane Bicycle Association"

In Zusammenhang mit der NMT-Studie entstand auch der Kontakt zu der Tshwane Bicycle Association (TBA). Vor dem Hintergrund, dass Fahrrad ein kaum berücksichtigtes Fortbewegungsmittel ist, wurde 2008 in Tshwane eine Initiative ins Leben gerufen, die Radfahrern in Form einer Organisation zusammenbringen und unterstützen will. Es soll einerseits erleichtern, den Radfahrern eine Stimme zu geben, sodass sie als Verkehrsnutzer Aufmerksamkeit erreichen, sowie im größeren politischen Rahmen eine Verbesserung der Infrastruktur bewirkt werden kann. In Zusammenarbeit mit der Stadt Tshwane und lokalen Sponsoren liegt der Fokus auf Bildung, Aufklärung und Publikmachen von Fahrradfahren, sodass es in Zukunft als Transportmittel ernst genommen sowie als Mobilitätsalternative genutzt wird.  

Der räumliche Ausgangspunkt der Initiative stellt das Township Mamelodi, gelegen im Osten Tshwanes, dar. Als Wohnort sozial benachteiligter und ökonomisch schwacher Bevölkerungsschichten stellt das Fahrrad in diesem Gebiet ein nicht zu unterschätzendes Verkehrsmittel dar. Die Zielgruppe, die in erster Linie im Fokus steht, ist die Gruppe der Pendler, die ihren Weg zur Arbeit bereits schon per Fahrrad zurücklegen. Sie sind in der Regel "Zwangsnutzer", da sie keine andere Art von Transport finanzieren können. Sie zeigen aber, dass regelmäßiges Radfahren möglich ist und eröffnen damit eine für Südafrika relativ neuen Perspektive, da Radfahren sonst nur als Freizeitaktivität eine gewisse Rolle spielt. Dass Radfahren auch außerhalb des Freizeitbereiches möglich ist und für viele Arbeitnehmer besonders auch unter finanziellen Gesichtspunkten attraktiv ist, möchte die TBA zeigen.  

Ein erstes Meeting mit Fahrradfahrern aus Mamelodi wurde Mitte März 2009 durchgeführt, mit dem Ziel Probleme und Meinungen der Radfahrer zu erfahren. Aktuell wird die Suche nach Sponsoren ausgebaut, sodass Radfahrhelme und ID-Mitgliedskarten bereitgestellt werden können. In Zukunft soll der Fokus verstärkt auf Schulkinder, Studenten und die Mittelklasse gelegt werden.  

Als langfristiges Ziel wird der Aufbau einer Radverkehrsinfrastruktur in frequentierten Korridoren im Großraum Pretoria verfolgt.